Die kurze Antwort zu Artikel 4
Artikel 4 des EU AI Act verpflichtet Anbieter und Betreiber von KI-Systemen, Maßnahmen zu ergreifen, die den Aufbau von KI-Kompetenz bei ihren Beschäftigten und weiteren Personen unterstützen, die in ihrem Auftrag mit Betrieb oder Nutzung dieser Systeme befasst sind. Dabei sollen technisches Wissen, Erfahrung, Ausbildung, der Einsatzkontext und die von den Systemen betroffenen Personen berücksichtigt werden.
Artikel 4 gilt bereits seit dem 2. Februar 2025. Am 27. Juli 2026 trat die geänderte Fassung in Kraft; sie verlangt keine Garantie, dass jede einzelne Person ein bestimmtes Kompetenzniveau erreicht. Das nimmt Unternehmen die Aufgabe nicht ab. Es macht deutlich, dass ein passender, kontextbezogener Ansatz wichtiger ist als ein einheitlicher Kurs für alle. Dieser Ratgeber ist eine Planungshilfe und keine Rechtsberatung.
Prüfe zuerst Rolle, Systeme und betroffene Aufgaben
Kläre, ob eure Organisation KI-Systeme anbietet, sie im eigenen Betrieb einsetzt oder beides tut. Erstellt anschließend ein überschaubares Verzeichnis der tatsächlich verwendeten Systeme und der Aufgaben, bei denen Menschen damit arbeiten. Ein allgemeines Schlagwort wie „generative KI“ reicht nicht aus. Entscheidend ist zum Beispiel, ob ein Werkzeug Texte entwirft, Bewerbungen vorsortiert, Prognosen unterstützt oder Softwarecode erzeugt.
Ordnet jedem Einsatz die beteiligten Rollen, erlaubten Daten, erwarteten Ergebnisse, bekannte Fehlerquellen und eine verantwortliche Prüfstelle zu. Prüft gesondert, ob weitere Pflichten für Hochrisiko-Systeme oder andere Rechtsbereiche einschlägig sind. Artikel 4 allein ist keine vollständige Compliance-Checkliste.
Ermittle, was jede Rolle wirklich können muss
Die EU-Kommission empfiehlt, die Rolle der Organisation, die Risiken der eingesetzten Systeme, vorhandenes Wissen und den konkreten Einsatzkontext zusammen zu betrachten. Daraus lässt sich eine Lernmatrix ableiten: Rolle, verwendetes System, typische Entscheidung, erforderliche Fähigkeit, Lernmaßnahme und verantwortliche Person. Diese Matrix ist eine eigene redaktionelle Arbeitshilfe, kein amtliches Formular.
- Welche KI-Systeme nutzt oder entwickelt die Rolle?
- Welche Entscheidungen werden vorbereitet oder getroffen?
- Welche Fehler, Verzerrungen oder Datenschutzrisiken muss die Person erkennen?
- Wer prüft Ergebnisse und wann muss die Nutzung gestoppt oder eskaliert werden?
Plane Maßnahmen entlang echter Arbeitssituationen
Eine kurze Basiseinheit kann gemeinsame Begriffe, Chancen, Grenzen und interne Regeln vermitteln. Danach brauchen Rollen unterschiedliche Übungen. Ein Marketingteam kann unbelegte Aussagen und sensible Eingaben prüfen, ein Entwicklungsteam Codevorschläge testen und dokumentieren, Führungskräfte können Freigaben und Verantwortlichkeiten an konkreten Fällen durchspielen. Verwendet nur freigegebene Werkzeuge sowie fiktive oder ausdrücklich geeignete Übungsdaten.
Formuliert beobachtbare Lernziele. Statt „KI verstehen“ kann ein Ziel lauten: Die Person erkennt drei typische Fehlerquellen des verwendeten Systems, prüft eine Ausgabe anhand der Ausgangsquelle und dokumentiert, wer die Entscheidung freigibt. Solche Ergebnisse lassen sich in einer Übung nachvollziehen, ohne eine rechtliche Konformität zu versprechen.
Halte Lernmaßnahmen nachvollziehbar fest
Nach der FAQ der EU-Kommission ist für Artikel 4 kein bestimmtes Zertifikat vorgeschrieben. Organisationen können interne Aufzeichnungen über Schulungen und andere unterstützende Maßnahmen führen. Für eure interne Nachvollziehbarkeit könnt ihr zum Beispiel Zielgruppe, behandelte Systeme und Risiken, Lernziele, Format, Datum, Teilnahme und vereinbarte nächste Schritte festhalten. Passt den Umfang an eure Situation und interne Aufbewahrungsregeln an.
Ein Eintrag allein beweist keine wirksame Umsetzung. Plant deshalb Rückfragen, praktische Übungen oder eine spätere Überprüfung ein. Auch die Beispiele im Praxis-Repository der Kommission begründen für sich genommen keine Vermutung der Konformität. Sie dienen als Orientierung und müssen auf den eigenen Kontext übertragen werden.
So vergleichst du ein KI-Kompetenztraining
Bitte Anbieter um eine Agenda, die eure Rollen, Systeme und Einsatzfälle sichtbar aufgreift. Kläre, welche Voraussetzungen gelten, wie praktisch geübt wird, welche Unterlagen ihr zur internen Nachbereitung erhaltet und was ausdrücklich nicht abgedeckt ist. Ein seriöses Training verspricht weder pauschale Rechtskonformität noch einen automatisch ausreichenden Kenntnisstand.
NextNowa stimmt Inhalte, Preis und Termine auf Anfrage ab. Beschreibe dafür Teamgröße, Rollen, genutzte KI-Systeme, typische Aufgaben, vorhandene Richtlinien und gewünschte Lernergebnisse. Vor einer Buchung werden Lieferumfang, verantwortliche Trainer, Verfügbarkeit und alle enthaltenen Leistungen schriftlich bestätigt.
Quellen und Prüfstand
Offizielle Informationen, geprüft am 4. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

